"Funde aus dem Stadtarchiv St.Gallen


Foto: Stadtarchiv St.Gallen,
Tram Nr. 1 mit Fahrer und Kondukteur sowie mit Nonne als Passagier an der Endstation
Neudorf. Postkarte, August 1943 (StadtASG, CA/71).

«Zukunft dank Tram» heisst ein kürzlich von zwei Stadtparlamentarierinnen eingereichtes Postulat. Eine «Vergangenheit mit Tram» kannte St.Gallen über ein halbes Jahrhundert lang.
Aufgrund der Stickerei-Industrie herrschte in der Stadt und ihrer Umgebung im späteren 19. und frühen 20. Jahrhundert eine hektische Bautätigkeit. Aus den ehemals selbstständigen und baulich klar abgegrenzten
Gemeinden St.Gallen, Straubenzell und Tablat bildete sich eine zusammenhängende Agglomeration.
Dies weckte das Bedürfnis, die teils weit auseinander liegenden Quartiere enger zu verbinden, etwa um die Arbeitswege für die zahlreichen Angestellten und Arbeiter zu verkürzen, die in Bruggen, St.Georgen oder im Krontal wohnten und im Zentrum arbeiteten.
Als erstes innerstädtisches öffentliches Verkehrsmittel nahm 1893 die Mühleggbahn den Betrieb auf. Vier Jahre später rumpelte anlässlich der Einweihungsfeier vom 19. Mai 1897 das erste Tram durch die Strassen. Geführt wurde die «Tramway» zu Beginn auf zwei Linien, nämlich von Bruggen ins Heiligkreuz und vom Hauptbahnhof ins Krontal. Später wurden die in der Rorschacher Strasse liegenden Schienen bis ins Neudorf verlängert und eine weitere Linie vom Bahnhof ins Riethüsli erstellt.
Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitete sich immer stärker die Ansicht, nicht dem an Schienen gebundenen Tram, sondern dem sich wendig in den Strassenverkehr einordnenden Bus gehöre die Zukunft. So stimmte das Volk dem Vorschlag zu, auf den bisherigen Tramlinien 3 und 5 den Trolleybus einzuführen. Dieser fuhr am 18. Juli 1950 erstmals vom Bahnhof ins Riethüsli und am 15. November auch ins Heiligkreuz. GrössererWiderstand erhob sich gegen die Vorlage, das Tram von seiner Hauptlinie zwischen Bruggen und Neudorf zu verdrängen. Nach einer heftig geführten Kampagne setzten sich indes die Befürworter des Trolleybus durch. Als dieser am 1. Oktober 1957 den Betrieb zwischen Bruggen und Neudorf aufnahm,war die Ära des Trams in St.Gallen (vorerst?)
zu Ende.

Stadtarchiv St.Gallen, Marcel Mayer




Foto: Stadtarchiv St.Gallen,
Festzug der Straubenzeller Schuljugend anlässlich der Einweihung des Schulhauses
Schönenwegen beim «Stahl»,wo der Umzug das Tram auf seiner Weiterfahrt ins Heiligkreuz
behindert, 17. September 1901. Stadtarchiv St.Gallen, CC/13.




Foto: Stadtarchiv St.Gallen,
Bahnhofplatz mit heutigem und altem Bahnhof sowie dem altem Rathaus auf der rechten
Bildseite, 1971 (Stadtarchiv St.Gallen, Archiv der Ortsgemeinde Tablat).


Die Fotografie zeigt den östlichen Teil des Bahnhofplatzes 1971, im Jahr, in welchem die erste Nummer des «Stadtspiegels» erschien. Herausgegebe wurde sie vom kurz zuvor gegründeten Personalamt, zu dessen Aufgaben es gehörte, trotz Arbeitskräftemangels Personal für die städtische Verwaltung zu gewinnen. Der Arbeitskräftemangel war eine Folge der Hochkonjunktur. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges war das Wirtschaftswachstum kontinuierlich gestiegen. Auch das Jahr 1971 zählte noch zu jener langen, bis um 1974 dauernden Periode der Prosperität. Parallel zum Wirtschaftsboom wuchs die Bevölkerung der Stadt St.Gallen und erreichte gemäss Volkszählung von 1970 mit rund 80'000 Einwohnern einen Höchststand.
Der wirtschaftlichen Dynamik entsprach eine hektische Bautätigkeit. So konnten beispielsweise am 4.September 1971 vier Schulbauten offiziell eröffnet werden, darunter die neue Primarschule Rotmonten. Allerdings machte sich in jener Zeit auch zunehmend Opposition gegen die Folgen einer teils überbordenden
Konjunktur bemerkbar, sei es in Form von Gesellschaftskritik oder von Warnungen vor der Umweltverschmutzung.
Einen Artikel in der Bundesverfassung «betreffend den Schutz des Menschen und seiner Umwelt gegen schädliche oder lästige Einwirkungen» nahmen die städtischen Stimmberechtigten im Juni 1971 mit fast 97 Prozent Ja-Stimmen an.
Eine weit denkwürdigere Abstimmung fand indes im Februar des gleichen Jahres statt: Die Schweizer befürworteten die Einführung des Stimm- und Wahlrechtes für Frauen in eidgenössischen Angelegenheiten. Während der Kanton St.Gallen die Vorlage ablehnte, nahm die Stadt sie mit einer Mehrheit von 59 Prozent
an.
Die optimistische Grundstimmung in der Bevölkerung zeigte sich auch bei kleineren Geschäften, etwa wenn zwei Drittel der Stimmenden im Dezember 1971 eine Reallohnerhöhung an das Gemeindepersonal guthiessen. Der städtische Personalbestand war als Folge der wachsenden Aufgaben im Verlaufe der Hochkonjunktur allmählich erhöht worden und belief sich 1971, zusammen mit den Lehrkräften, auf 1'918 Personen. Nicht zuletzt um deren Informationsbedarf zu stillen und die Identifizierung mit der Stadtverwaltung
als Arbeitgeberin zu erhöhen, wurde mit dem «Stadtspiegel» eine Personalzeitschrift ins Leben gerufen.

Stadtarchiv St.Gallen, Marcel Mayer

Neu ab Ende Herbst 2010 www.ostbus.ch
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